Wer sind wir und wohin wollen wir? Diese Frage stand ganz am Beginn des Markenprozesses und war der entscheidende Motivator für viele, die sich bisher mit viel Engagement eingebracht haben. Ein Gespräch mit dem Historiker Manfred Tschaikner im Vorarlberger Landesarchiv zum Thema „Brauchtum“ liefert dazu viele Erkenntnisse, wirft aber auch viele offene Fragen auf.

1.      Der richtige Name für unsere fünfte Jahreszeit ist Fasnat und nicht Fasching. Fasching ist eine importierte Bezeichnung, unser eigener Name ist Fasnat.

2.      Unsere Traditionen und Bräuche haben sich über die Jahrhunderte verändert. Indem wir sie leben,  stärken wir unseren Gemeinschaftssinn und unser Identitätsbewusstsein – Werte, die sehr wichtig für die Lebensqualität einer Bevölkerung geworden sind.

3.      Aus nahezu allen Kulturen kennt man das Bedürfnis, sich zu einem bestimmten Termin im Jahr in eine andere Rolle zu versetzen. Der Narr wird König, der König Narr. Auch der Einsatz von Rauschmitteln ist dabei wiederkehrendes Element. Es sind Bräuche der verkehrten Welt, in denen auch Transzendenzerfahrungen vorkommen.

4.      Woher unsere Fasnat genau stammt, ist daher gar nicht so einfach zu sagen. Viele verschiedene Einflüsse haben den Brauch im Lauf der Jahrhunderte geprägt.

5.      Vor 500 Jahren beispielsweise fand das Ritual in einer völlig anderen Form statt. Es wird von Menschen berichtet, die als Tote verkleidet gemächlichen Schrittes von Bregenz ins Kloster Mehrerau schritten.

Dort wurden sie von den Mönchen verköstigt. Zurück in Bregenz gab es eine Art Kampfritual der jungen Männer. Hintergrund war, dass man die Verstorbenen gut stimmen wollte, diese waren nämlich – so glaubte man damals – verantwortlich für die gute Ernte.

6.      Kämpferische, archaische, grobe oder wilde Gesten mit entsprechend lautem Gejohle während der Fasnat haben demnach eine lange Geschichte. Man wollte „den Verstorbenen“ zeigen, wie mutig und stark die Nachkommen sind – um sie gut zu stimmen und damit zum eigenen Wohlergehen beizutragen.

Weitere Besonderheiten zu Vorarlberg finden Sie hier!

Die nächsten Vorträge im Vorarlberger Landesarchiv:

  • Mittwoch, den 18. März 2020 ab 17.00 Uhr:
    Andreas Praher, Vorarlberger Skisport im Nationalsozialismus
  • Mittwoch, den 15. April 2020 ab 17.00 Uhr:
    Michael König/Ulrich Nachbaur, Tanganjika 1960. Burkina Faso 2020
  • Mittwoch, den 13. Mai 2020 ab 17.00 Uhr:
    Birgit Heinzle, Das Urbar der Herrschaft Feldkirch 1614-1618
  • Mittwoch, den 10. Juni 2020 ab 17.00 Uhr:
    Tobias Riedmann, Das kaiserliche Landgericht Rankweil in Müsinen und seine Ordnungen (1418-1579)

Credits: Stadt Bludenz

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