Diesmal haben wir Angelika Meusburger, Direktorin der Volksschule Bizau, gebeten, uns einen Einblick in ihre Erfahrungen rund um die Corona-Zeit zu geben. Höchst Interessantes ist dabei herausgekommen: “Egal aus welcher Perspektive ich es betrachte – ob als Schulleiterin, Klassenlehrerin oder Mama von bald elfjährigen Zwillingen: Das Entscheidende, das zählt ist, dass wir nach den letzten sehr herausfordernden Wochen nun wieder täglich Kinder im Unterricht begrüßen dürfen.

Und das Schönste daran: Die Kinder sind fröhlich, aufgeschlossen, freuen sich ganz einfach, dass sie ihre KameradInnen und Lehrerinnen wiedersehen. Daran sieht man, dass „Schule“ so viel mehr ist als reine Wissensvermittlung. Schule ist Leben, Kommunikation, Beziehung – Schule ist „Mehrwert“.

Doch ist da natürlich auch die Perspektive zurück in die Wochen vor der etappenweisen Rückkehr der Kinder. Ich vermeide als Schulleiterin bewusst den Begriff Schulöffnung, denn entgegen der täglich kommunizierten „Schließung der Schulen“ waren in Vorarlberg alle Schulen durchgehend geöffnet. An jedem Standort war ein Journaldienst einzurichten, und die Lehrpersonen waren im Homeoffice tätig.

Für meine Dorfschule mit rund 60 SchülerInnen bedeutete dies, dass ich als Schulleiterin selbstverständlich weiterhin jeden Vormittag meinen Dienst im Schulhaus versah. Und es gab reichlich zu tun, denn die Corona-Krise war ein weites Lernfeld für uns alle und auf allen Ebenen.

Als Klassenlehrerin einer vierten Klasse gab es ebenfalls reichlich zu tun. Meine SchülerInnen waren zu Hause fleißig und bemüht, und so waren meine Wochenenden geprägt von stundenlangen Korrektur- und Vorbereitungsarbeiten. Welch wohltuender Kontrast zum Krisenmanagement während der Woche einerseits, aber allgegenwärtiges Thema „Schule“ über viele Wochen andererseits – kein Tag für so wichtiges persönliches Durchatmen zur Verfügung.

Doch mit dem Gedanken #wirhaltenzusammen im Hinterkopf gelang das Durchhalten leichter. Irgendwie sah ich mich insgeheim auch in einer systemerhaltenden Rolle. Wie gut tat in dieser Situation das vielschichtige Bemühen des Landes und vieler Verlage um uns und unsere SchülerInnen.

Digitale Materialien wurden über Nacht gratis bereitgestellt, Geräte im IT-Bereich für die SchülerInnen kostenlos organisiert und IPads zum Verleih angeboten. Für meine Klasse bedeutete der ehrenamtliche Einsatz von so vielen Menschen ein Segen – alle Kinder sind nun stolze Besitzer eines (geliehenen) IPads. Unsere Zoom-Konferenzen waren ein Highlight, und die SchülerInnen wollen nun sogar während der Wochenenden zoomen, obwohl sich alle sowieso am Montag wiedersehen.

Wir haben im Präsenzunterricht gelernt, wie man E-Mails verfasst und auch im Internet die richtigen Umgangsformen anwendet. Die Kinder sind digital gerüstet wie nie zuvor – Krise als Chance, gelebte Nachhaltigkeit, Vorarlberg hats möglich gemacht. Danke dafür an alle Verantwortlichen.

Der Wiederkehr der Kinder in die Schule sahen wir alle mit gemischten Gefühlen entgegen. „Bewaffnet“ mit Mundschutz und Desinfektionsmittel mussten wir die Kinder begrüßen. Doch unsere Sorge war umsonst, die Kinder kamen fröhlich und völlig unvoreingenommen zurück und endlich erfüllte wieder Lachen und Freude das Schulhaus.

Sehr bereichernd für meine Rolle als Krisenmanagerin und auch Klassenlehrerin empfand ich die Perspektive als Mama von Zwillingen, die zwei unterschiedliche Klassen einer Mittelschule besuchen. Eigen Handwerk leidet Not – wie wahr. Oftmals war auch ich kurz davor, die Nerven angesichts der neuen Homeoffice-Situation in all ihrer Vielschichtigkeit zu verlieren.

Möglicherweise hat man mit den eigenen Kindern auch weniger Geduld als mit den SchülerInnen, vor allem, wenn man nebenher noch mitten in einem zu dieser Zeit nicht ganz einfachen Beruf steht. Jedenfalls war es für mich oftmals schwierig, die notwendige Gelassenheit aufzubringen. Doch auch hier war die Krise eine Chance, denn durch meine Berufstätigkeit mussten meine Kinder selbständig agieren.

Ich war zwar räumlich in der Nähe und sie begleiteten mich meistens ins (leere) Schulhaus, aber das Krisenmanagement erforderte oft genug kurzfristig gesetzte Prioritäten. Ich konnte mich nicht teilen und musste meinen Job hochkonzentriert machen, an den meisten Tagen ganztägig bis in die späten Abendstunden hinein und jedes Wochenende durch.

Doch meine ich sagen zu können, dass meine Kinder daran gewachsen sind. Jede einzelne „homeofficebedingte“ Konfrontation war es wert, durchlebt und durchgestanden zu werden, denn dadurch hat Entwicklung stattgefunden – auch wenn es mühsam und energiezehrend war und immer noch ist.

Handlungen haben Folgen, es ist in dieser Zeit wichtig, eigenverantwortlich, aber auch verantwortungsbewusst zu handeln. Ich habe das Gefühl, meine Kinder haben dies in den letzten Wochen verinnerlicht. Unsere ohnehin gute Beziehung wurde durch die Reibung aneinander noch weiter vertieft und gestärkt – Krise als Chance, lernen am Leben.”

Wir bedanken uns recht herzlich für diesen Beitrag und wünschen weiterhin alles Gute nach Bizau!

Hier geht es zum nächsten Lehrerinnen-Bericht.

Credits: Angelika Meusburger

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