Zum Schulabschluss berichtet Mathias Hagen-Zwiener, Lehrer an der VS Hohenems Markt, über sein außergewöhnliches Schuljahr und lässt uns positiv in das Kommende blicken.

“Schulanfang inmitten eines laufenden Schuljahres, das allein ist etwas bisher nie Dagewesenes! Im heurigen Schuljahr gab es einige Besonderheiten und Herausforderungen, die wir bislang so nicht kannten – sei es für Schülerinnen und Schüler, Eltern, Lehrerinnen und Lehrer wie auch für den Schulleiter. Als Lehrer und Vater habe ich während der Zeit des eingeschränkten Schulbetriebs viel Schönes erleben können, stand aber auch in beiden Positionen vor Situationen,

die einen gefühlvollen Umgang forderten – ein Minus an Unterrichtszeit, ein Plus an Familienzeit. Das hieß für mich Fernunterricht für die Schulkinder organisieren, und zugleich daheim meine Tochter als Ersatzlehrer betreuen zu müssen.

Gute Zusammenarbeit

Basis eines funktionierenden Fernunterrichts war die zuverlässige Zusammenarbeit und der Kontakt zu den Eltern der Kinder meiner Klasse. Volksschulkinder sind beim Lernen noch sehr auf Hilfe und Führung angewiesen, daher war mir wichtig, dass den Eltern die Unterstützung ihrer Kinder leicht von der Hand gehen kann.

Man muss dabei bedenken, dass manche Eltern Kinder in verschiedenen Schulen, in unterschiedlichen Klassen und mit den verschiedensten Modellen des Fernunterrichts haben. Deshalb habe ich mich auf die wichtigsten Unterrichtsinhalte konzentriert und diese in den Lernpaketen den Kindern mit nach Hause gegeben. Die Eltern konnten stets per E-Mail oder Telefon mit mir in Kontakt treten. Dies klappte erstaunlich gut und ich bekam immer wieder nette Rückmeldungen von den Eltern wie auch von meinen Schulkindern.

Daheim war ich plötzlich nicht mehr nur als Vater, sondern auch als Lehrer gefragt. Den ersten Monat des Homeschoolings übernahm ich, was für unsere Tochter eine willkommene Abwechslung war – normalerweise übernimmt die Aufgabe der Begleitung unserer größeren Tochter durch die Schule stets meine Frau – und so arbeitete sie fleißig und motiviert.

Wenn wir mit den Schulaufgaben fertig waren, machten wir mit den Fahrrädern oft kleine Touren an der frischen Luft. Schließlich war das Wetter traumhaft schön, was uns allen in dieser fordernden Zeit sehr zugutekam. Nicht auszudenken, wenn es stattdessen ununterbrochen geregnet hätte!

Nach einigen Wochen war das, was wir anfangs als besonders erlebten, schon Teil des Alltags geworden, das Zusammenstellen von Lernpaketen wurde mehr und mehr zur Routine und die Kinder brachten die erledigten Aufgaben im Abstand von zwei Wochen in die Schule. Gleichzeitig merkte ich aber auch, dass durch das Fehlen des Besonderen und durch die Einkehr einer gewissen Routine bei recht vielen Kindern die Sehnsucht nach der Schule aufzukeimen begann.

Sehnsucht und viel Lob

Unter diesen Umständen war es nach rund zwei Monaten ohne regulären Unterricht als Lehrer ein Leichtes, wieder in die Klasse und zu den Kindern zurückzukehren. Einerseits, weil die Kinder mit Freude kamen, andererseits, weil sie daheim tolle Fortschritte gemacht hatten und nicht zuletzt wegen der kleineren Gruppen, die der Verdünnung durch den Schichtbetrieb zu verdanken waren.

Ich war angenehm überrascht, was auch die Eltern in dieser durchaus schwierigen Zeit daheim geleistet hatten. Das verdient doch ein dickes Lob und anerkennende Worte von meiner Seite! Beim Unterricht zu Hause haben die Kinder in meinen Augen sehr viel gelernt!

Vorbereitung auf nächste Schulstufe

Die Zeit nach dem erneuten Schulstart nutzte ich in der Schule, um die Basics zu üben und die Kinder so gut es geht auf die nächste Schulstufe vorzubereiten. Dank der kleinen Gruppen ist es viel besser möglich, dass auf einzelne Kinder eingegangen werden kann. Das ist vor allem für diejenigen Kinder gut, die während der zweimonatigen Zwangspause nicht so viel Unterstützung vom Elternhaus bekommen konnten. Der Turnunterricht, der nicht stattfinden durfte, fehlte den Kindern am meisten. Das ist aus meiner Sicht einer der größten Nachteile dieses besonderen Abschnitts eines außergewöhnlichen Schuljahres, das allen Widrigkeiten zum Trotz doch noch sauber abgeschlossen werden kann.

Als Mensch, Vater und Lehrer hoffe ich allerdings, dass im Herbst ein Schulanfang nach Plan und wie gewohnt möglich ist. Doch spätestens nach den vergangenen Monaten ist wieder einmal klar geworden, dass ein jedes Schuljahr Besonderheiten, Herausforderungen und Überraschungen bereithält und diese werden wir auch 2020/21 wieder meistern – ganz egal wie sie sich gestalten werden.”

Herzlichen Dank für diesen Beitrag! Wir erhoffen uns auch einen planmäßigen Schulstart und wünschen zuvor allen Schulkindern und ihren Eltern eine schöne und erholsame Ferienzeit!

Hier geht es zum nächsten Lehrerinnen-Bericht.

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