Die ersten Tage, Wochen und Jahre

24.01.2019, 10:43 Uhr

Architektonisch hochwertige Schulen und Kindergärten, gute Ausbildungen für Pädagog*innen, jede Menge Förderangebote auf Vereinsebene etc. etc. In Vorarlberg ist schon viel erreicht worden. Doch was ist, wenn die Kinder zuhause wenig Zuwendung erhalten und Konflikte den Alltag in der Familie bestimmen?

Wenn die engsten Bezugspersonen unter großem Stress stehen und dadurch wenig Verständnis für die Bedürfnisse der Kinder aufbringen können? Dann nützt das schönste Kindergartengebäude nicht mehr viel, dann kann auch die beste Lehrerin keine Wunder bewirken.

Aus zahlreichen Studien weiß man längst, dass die ersten Jahre eines Menschen prägend für sein ganzes Leben sind. Die Erfahrungen in dieser Zeit entscheiden maßgeblich, wie gut oder schlecht, wie stabil oder instabil jemand später durch sein Leben kommt.

Das heißt, bevor ein Kind in eine Spielgruppe oder in einen Kindergarten kommt, passiert schon das Allerwichtigste in seiner Entwicklung. Was es braucht, sind neben Nahrung und Pflege viel Zuwendung, Geborgenheit und sichere Beziehungen. Diese grundlegenden Dinge klingen zwar einfach, sind aber in bestimmten Situationen, in denen sich Eltern befinden, nicht ausreichend vorhanden.

Viele sind sozial oder psychisch belastet und haben Schwierigkeiten, eine emotionale Bindung zum Kind aufzubauen. Anderen setzen Zukunftsängste zu. Welche Gründe es auch immer sind, warum Eltern außergewöhnlich belastet sind, sie brauchen Unterstützung, am besten unkompliziert, rasch und unbürokratisch. Genau das ist in Vorarlberg möglich:

Das „Netzwerk Familie“ wurde vor 10 Jahren gegründet und ist als „Frühe-Hilfen-Projekt“ zum bundesweiten Vorreiter geworden. Träger sind das Vorarlberger Kinderdorf, die Aks-Gesundheit-GmbH und die Vorarlberger Kinder- und Jugendfachärzte.

Letztere erkennen oft den Bedarf der Familien und vermitteln sie an Netzwerk Familie. Ziel ist es, so früh wie möglich Unterstützung anzubieten, damit sich die familiäre Situation rasch entspannen und verbessern kann und ein gesundes Aufwachsen des Kindes ermöglicht wird. Schätzungsweise haben 10 Prozent aller junger Familien Unterstützungsbedarf.

Familien mit kleinen Kindern befinden sich oft in einem großen Spannungsfeld“ berichtet die Leiterin des Netzwerks Familie, Christine Rinner.

Im letzten Jahr haben die insgesamt 9 Mitarbeiterinnen rund 235 neue Familien betreut. Von ca. 4.000 Geburten jährlich in Vorarlberg ist das eine gute Größe.

„Den Betroffenen fällt es zunehmend leichter, sich bei uns zu melden“, beobachtet Christine Rinner. Das Erfolgsprojekt ist von den anderen Bundesländern längst nachgeahmt worden und Ende März wird in Vorarlberg eine Fünf-Länder-Tagung zu diesem Thema stattfinden.

Zwei weitere Projekte entwickeln sich ebenfalls gut, das Baby-ABC und die „gesunde Nachbarschaft“. Hier werden Eltern optimal auf die neue Lebensphase vorbereitet bzw. in Kooperation mit der Gemeinde Alberschwende, der Stadt Dornbirn (Bezirk Rohrbach) und den Marktgemeinden Frastanz und Lauterach wird versucht, Eltern bestmöglich zu unterstützen.

“Sozialer Zusammenhalt” ist übrigens eines der sieben Handlungsfelder, die sich die Marke Vorarlberg vorgenommen hat!

© Netzwerk Familie